Von Zeit zu Zeit darf man von Vertretern der gesetzlichen Krankenkassen ein Gekeife und Gezicke gegen die Private Krankenversicherung erwarten. So geschehen vor Kurzem, als Johannes Vöcking, seines Zeichens Chef der größten gesetzlichen Einzelkasse (BARMER), wiederum die Forderung äußerte, dass die Privaten Krankenversicherungen keine Vollversicherungen mehr anbieten sollen, sondern nur noch Zusatzversicherungen, wie die BARMENIA schon vormacht. Wird da ein kleines Kind etwa störrisch, oder neidisch?
Zum einem ist die Behauptung, die Privaten Krankenkassen würden die Preise noch oben treiben, reiner Hohn. Angesichts der Tatsache, dass viele Arztpraxen nur deswegen überhaupt überleben, weil die Privaten Krankenkassen die Behandlungskosten zügiger begleichen, darf es nicht verwundern, wenn praktizierende Ärzte Privatversicherte (auch schon bei der Terminvergabe) bevorzugen. Zudem vergisst Herr Vöcking wohl, dass die Private Krankenversicherung privat agierende, Profit suchende Unternehmen sind; die durchschnittlichen Behandlungskosten der Privaten Krankenversicherung, trotz höherer Zahlung an die Ärzte, sind nahezu identisch mit denen der gesetzlichen Krankenkassen.
Zudem gaben die Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen im Zuge der Impfaktion gegen die Schweinegrippe keine gute Figur ab: die gesetzlichen Krankenkassen haben sich öffentlich für eine Beitragserhöhung ausgesprochen, da die zusätzlichen Kosten von knapp einer Milliarde Euro durch die gesetzlichen Krankenkassen nicht zu stemmen seien. Blöd nur, wenn die Private Krankenversicherung schon zuvor verkündet haben, sich an den Kosten der Impfaktion freiwillig beteiligen zu wollen, ganz ohne Tamtam und Druck. Die gesetzlichen Krankenkassen mussten hingegen per Beschluss des Bundeskabinetts dazu gezwungen werden, die Impfung auch kostenfrei anzubieten. Hier kommen die gesetzlichen Krankenkassen ihrer Aufgabe nach Wahrung der öffentlichen Gesundheit nicht nach, zumal die Folgekosten einer Behandlung einer großflächigen Epidemie weitaus höher liegen, als die Impfaktion an sich.
Weiterhin dürfte die Forderung nach Aufhebung der Vollversicherungen durch private Krankenversicherungen schon verfassungstechnisch bedenklich sein. Was bleibt ist die Tatsache, dass gesetzliche Krankenkassen eben nicht an den vielfach kolportierten Preisexplosionen im Gesundheitssektor leiden (denn verglichen mit den Gesamtausgaben im Gesundheitssektor in Relation zum Bruttoinlandprodukt sind die Kosten in den letzten Jahren konstant geblieben, anders als in den USA, Schweiz, Großbritannien etc.). Die Probleme der gesetzlichen Krankenkassen resultieren vielmehr von der Einnahmeseite heraus, viele sozialversicherungspflichtige Jobs sind verloren gegangen oder verschwinden im Niedriglohnsektor. Anstatt also die Frage nach einer stabilen Finanzierung aufzuwerfen, versuchen nun die gesetzlichen Krankenkassen an den Kosten zu mäkeln. Wenn nun die Wirtschaft wieder an Aufschwung gewinnt, und damit die gesetzlichen Krankenkassen wieder mehr einnehmen, wetten, dass dann kein Ton von den Vertretern zu vernehmen sein wird?
Angesichts dieser Tatsachen bleibt nur zu empfehlen: all Jene, die nicht der Sozialversicherungspflicht unterliegen (Selbstständige- siehe PKV Selbstständige, Freiberufler wie Ärzte, Anwälte, Steuerberater etc- siehe PKV Freiberufler, Angestellte mit einem Jahreseinkommen von über 48.600 Euro/Jahr, Beamte- siehe PKV Beamte), vergleichen Private Krankenversicherung online. Nicht nur, dass man sich eines besseren Leistungsangebotes sicher sein kann, sondern auch die Tatsache, dass Private Krankenversicherungen eine seriöse Gesundheitspolitik betreiben, sind Argumente für die Private Krankenversicherung. Dabei muss eine Private Krankenversicherung nicht teurer sein, als eine gesetzliche Krankenversicherung (denn die Beitragshöhe in der PKV ist abhängig vom Alter, Gesundheitszustand, Beruf, aber auch erwünschte Leistungen wie Einzelzimmeraufenthalt, Krankentagegeld etc. bestimmen den Preis).
Bleibt abzuwarten, ob bei Abwanderung vieler Versicherter von den gesetzlichen zu den privaten Krankenkassen die Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen zur Räson kommen und endlich richtig handeln.
