Spaniens Ministerpräsident ein Wendehals? Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero , dessen Mehrheit im Parlament geschwunden ist, seitdem ihm die Unterstützung der abgewählten baskischen Nationalisten abhanden kam, versucht jetzt verstärkt, sich mit den Katalanen gut zu stellen.
Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero , dessen Mehrheit im Parlament geschwunden ist, seitdem ihm die Unterstützung der abgewählten baskischen Nationalisten abhanden kam, versucht jetzt verstärkt, sich mit den Katalanen gut zu stellen. Allerdings machte er dieser Tage den Politikern in Barcelona ein Kompliment, von dem man nicht auf Anhieb merkte, wie vergiftet es war. Er sagte wörtlich: „ Diejenigen, die behaupten, die katalanische Sprache sei in Gefahr, irren sich. Das Vordringen der gemeinsamen Sprache ist unaufhaltsam“.
Na, mit der „gemeinsamen Sprache“ konnte ja nun unmöglich das Katalanische gemeint sein, denn wo, ausser in den vier Provinzen Kataloniens, spricht man das denn sonst noch auf spanischem Boden? Und trotzdem blieb unser sozialistischer Regierungschef politisch korrekt, denn gerade erst wurde eine Makro-Umfrage über das Sprachverhalten in Katalonien veröffentlicht. Demnach gaben knapp 46 % der Befragten an, sie sprächen Spanisch (castellano) als normale Sprache der Verständigung; als Katalanisch sprechend zur Verständigung bekannten sich nur 35,6 % der Befragten. Im Grossraum Barcelona waren nach der Umfrage, die ausgerechnet die katalanische Regierung höchstselbst veranstaltet hatte, die Unterschiede noch grösser: 53,8 % der Befragten sprechen demnach nur Spanisch, während nur 27,8 % ausschliesslich Katalanisch zur Verständigung benutzen.
Die Umfrage erstreckte sich auf über 7.000 Menschen über 15 Jahren. Ausser bei den über 65jährigen Männern und Frauen zeigte sich in allen Altersgruppen, dass die spanische Sprache gegenüber der Regionalsprache Katalanisch vorherrscht. Besonders stark ist der Kontrast beim Schreiben: hier hinkt das Katalanische weit hinter dem Spanischen her. Gegenüber der Umfrage von 2003, wo noch 78,3 % der Befragten angegeben hatten, sie könnten Katalanisch sprechen, waren es jetzt nur noch 75,0 %. Trotzdem behauptete der für Sprachenpolitik zuständige Staatssekretär Bernat Joan, von einem Rückgang des Katalanischen könne keine Rede sein, denn – so seine etwas krause Logik – in den letzten Jahren seien über 700.000 Immigranten nach Katalonien gekommen. Aus der Umfrage ging auch hervor, dass 6,5 % der Bevölkerung im Autonomiegebiet Katalonien sich in einer Fremdsprache verständigen wie beispielsweise Arabisch oder Urdu. Diese Menschen, so Bernat Joan, seien möglicherweise benachteiligt, „wenn sie keine der beiden Amtssprachen in Katalonien beherrschen“. Bravo Herr Staatssekretär! Immerhin geben Sie an, dass auch in Katalonien zwei Amtssprachen bestehen, nämlich Spanisch und Katalanisch. Und nicht nur, wie man uns immer wieder weismachen will, das Katalanische. Die Behauptung „die Amtssprache in Katalonien ist Katalanisch“ist eben einfach nicht wahr. Siehe oben.
Quelle und weitere Informationen: http://www.comprendes.de/nachrichten/nachrichten-einzelansicht/datum/200...
Thomas Abraham
