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„ Die Burschenschaft Neandertal oder Zutritt für Mitglieder zukünftig verboten ! "

11.11.2010 10:32 | Partner + Beziehung

Zunächst einmal möchte ich, um jedweden eventuell aufkeimenden Verdacht bereits zu Beginn zu zerstreuen, folgendes auch für den größten Zweifler und Skeptiker klarstellen:

Ich bin weder eingefleischte Männerhasserin, noch Mitglied des Alice-Schwarzer- Fanclubs und habe auch nicht die „Emma“ abonniert, ich bin keine Super- Emanze, wie vielleicht vermutet, ich bin auch keine Hardcore- Feministin, ich hatte auch ganz bestimmt keine schlimme Kindheit, bin definitiv nicht Männer- geschädigt oder traumatisiert, habe keine „schlagende“ Verbindung mit einem Mann hinter mir und meine Oma und meine Mama haben mir auch niemals ins Ohr geflüstert „Pass gut auf, alle Männer sind Schweine !“ – ich bin also eigentlich etwas ganz normales und stehe repräsentativ für rund 50% der Weltbevölkerung : Ich bin eine Frau !!!

Ich habe mich erfolgreich vor 3 1/2 Jahren mit einer spirituell- psychologischen Praxis selbständig gemacht und mir bisher keinerlei Gedanken hinsichtlich einer Selektion nach Geschlechtern, also demzufolge Männlein und Weiblein, bei meinen Klienten machen müssen – tjaaaaaa, bis zum Tag „X“ vor rund frei Monaten !!! Dieser besagte Tag „X“ hat mir persönlich den „Das- glaub- ich- doch- nicht- wirklich- Effekt“ beschert und seitdem meine Sinne geschärft; ich habe damit begonnen, mir meine Klienten genauer zu betrachten und mir ein Selbststudium auferlegt in Bezug auf das Thema: Was macht den gravierenden Unterschied zwischen Männern und Frauen aus ? Im Hinblick auf physische und optische Aspekte dürfte das klar sein, ich leide schließlich nicht unter fortschreitender Blindheit – nein, mich interessierte die Antwort auf die Frage: Was haben Männer, was Frauen nicht haben ?

Sehr hilfreich war für diese wichtige Erkenntnis besagter Tag „X“, den ich Ihnen gerne ein wenig schildern möchte, um Ihnen verständlich zu machen, weshalb ab sofort in meiner Praxis gilt:

„ Zutritt für Mitglieder der Burschenschaft Neandertal verboten ! “

In meiner Praxis soll sich ein jeder Klient wohlfühlen. Ich biete meinen Klienten neben einer hoch- qualifizierten, äußerst ergebnis- orientierten und sehr effizienten, sprich zielgerichteten, Individual- Beratung, ein sehr ansprechendes und gepflegtes Ambiente und anheimelnde Atmosphäre; ein jeder darf sich in meiner Praxis so auf meine Besuchercouch lümmeln, wie es ihm am bequemsten ist – Kissen, Kuscheldecke und ein Trost-, alternativ Wut- und Frust Teddy, wenn´s mal ganz schlimm werden sollte, stehen ebenfalls zur Verfügung. Bei mir gibt es von Kaffee bis zu verschiedenen Tees für jeden Geschmack, Mineralwasser mit und ohne Kohlensäure von eiskalt bis Zimmertemperatur – offeriert auch gerne mit einer Scheibe Zitrone -, und von Gummibärchen über Gebäck bis Müsliriegel habe ich so ziemlich alles im Angebot, die Kleenex- Box für ganz schlimme Fälle steht ebenfalls bereit und ich habe in der Vergangenheit auch schon für einen hungrigen Mandanten, im Laufe einer mehrere Stunden andauernden Beratungssitzung, den Pizza- Service anrücken lassen. Selbst für diejenigen, die es vor lauter Nervosität und Stress über mehrere Stunden nicht ohne Zigarette aushalten, gibt es selbstverständlich einen Aschenbecher ! Ohne mich an dieser Stelle selbst beweihräuchern zu wollen: Eine Praxis mit liebevollem Super- Rundum- Service. Hier würde auch ich mich selbst sehr wohlfühlen und genauso sollte es eigentlich sein !

Ich bin beileibe nicht abergläubisch, jedoch aufgrund des überaus einprägsamen Datums bewussten Tages „X“, Freitag den 13.August 2010, bin ich in Bezug auf dieses Thema doch etwas nachdenklich geworden. Es soll tatsächlich Menschen geben, die sich an einem Freitag den 13. einen freien Tag gönnen, nicht ins Auto steigen, nicht mit Strom hantieren, kein Messer anfassen, lieber den Hund für´s Grobe auf den Balkon schicken, als gemeinsam mit ihm das Haus zu verlassen und es vorziehen den ganzen Tag im Bett zu bleiben, aus Angst davor, dass es sich hierbei um einen sehr unheilvollen und äußerst gefährlichen Tag handelt. Für mich war bisher ein Freitag der 13. ein eigentlich ganz normaler Tag – tjaaaaa, bis zum Freitag, den 13. August 2010.

An diesem Tag, exakt um 13.00h, nahm ich einen Beratungstermin mit einem neuen Klienten in meiner Praxis wahr. Bis zu dem Zeitpunkt als ich den Herrn begrüßte, ihn in meine Praxis bat, ihn auf meiner Couch Platz nehmen ließ, ihm einen Kaffee servierte und auf Wunsch auch einen Aschenbecher dazu stellte, war für mich der Tag noch völlig in Ordnung – mein neuer Klient bis zu diesem Punkt im übrigen ebenfalls. Nach einem kurzen Vorgespräch zündete sich besagter Klient genüsslich eine Gauloise an – nun ja über die Zigarettenmarke kann man geteilter Meinung sein, aber lassen wir dies so im Raum stehen – inhalierte mit tiefem Zug, griff sich danach beherzt schmatzend ins Gebiss, beförderte einen gut eingespeichelten durchgekauten Kaugummi zutage und klebte diesen wie selbstverständlich mittig in den Aschenbecher. Nachdem er die Zigarette fertig geraucht hatte, quetschte er unvermittelt diese inmitten des in den Aschenbecher gepappten Kaugummis aus. Ich reagiere auf solche benehmenstechnischen Kuriositäten unterster Kategorie zwar nicht unbedingt zeitgleich mit Schnappatmung, jedoch toleriere ich derartige Ausreißer gerade noch, wenn auch unter Protest und Unmutsbekundungen, von einem pubertierenden 14- jährigen, weniger jedoch von einem knapp 50- jährigen graumelierten Herrn in Anzug, Krawatte und rahmengenähten Schuhen.

Nachdem auch der Kaffee geleert war, fragte mich besagter Klient, ob er sich kurz meines WC´s bedienen dürfe. Nun dürfte ein jeder 5- jährige bereits schon einmal gehört haben, dass man vor Benutzung der Toilette besser die Türe hinter sich schließt – nicht so mein

Mandant. Zweimaliges Ratschen des Reißverschlusses und nachhaltiges Plätschern im WC- Becken begleitete seinen Aufenthalt in meinem Badezimmer, was mich veranlasste dezent die Türe zu meinen Praxis zu schließen, um mir diese doch etwas gewöhnungsbedürftige und wenig gesellschaftsfähige Geräuschkulisse zu ersparen. Trotz angelehnter Türe zu meiner Praxis, um das ganze wenigstens etwas erträglich zu machen, vermisste ich eines: Das anschließende Rauschen des Wasserhahnes – aaaah ja, Händewaschen kennen wir also ebenfalls nicht ! An dieser Stelle hätte ich meinen Besucher gerne gefragt, aus welchem Grund er nicht gleich das Bein am Türpfosten meiner Praxis hebt, um sein vorübergehendes Territorium zu markieren – dann hätten wir uns seinen Kurzausflug auf meine Toilette und meine unfreiwillige Teilnahme daran gleich sparen können.

Nur zwei Minuten später, die Zeit für´s Händewaschen hatten wir uns offensichtlich gleich als entbehrlich geschenkt, saß Herr – nenne wir ihn mal Herr Graumeliert - wieder auf meiner Besuchercouch. Während ich das Beratungsgespräch erneut aufnahm, musste ich denn doch etwas konsterniert zur Kenntnis nehmen, dass, nachdem mein Besucher im Zuge seines Besuches in meinem Badezimmer sicherlich gesehen hatte, dass noch alles an seinem ursprünglich dafür vorgesehenen Platz war, wo es auch normalerweise hingehört, dieser sich jedoch augenscheinlich selbst nicht so ganz über den Weg traute und sich daher nahezu zwanghaft rund alle 10 Minuten ins Gemächte griff, um offensichtlich genau zu kontrollieren, ob auch wirklich noch alles da ist und nichts wichtiges und unentbehrliches versehentlich in der Toilette hintergespült worden war.

Okay, von den Bühnenauftritten eines Michael Jackson und diverser weiterer vielleicht etwas spätpubertierender Künstler mag man ja solches noch gewohnt sein und dies tolerieren – ich frage mich jedoch heute noch, was ein Griff an besagte Körperstelle mit einem fachlich hochqualifizierten Beratungsgespräch in meiner Praxis zu tun hat oder inwieweit ich an dieser Stelle eventuell etwas wichtiges bei meiner Eingangsanalyse übersehen oder vergessen habe. Nun ja, ich bin eine Frau und man muss wirklich nicht alles nachvollziehen und verstehen müssen !

Nachdem sich Herr Graumeliert offensichtlich in meiner Praxis fast wie daheim fühlte, zündete er sich genießerisch noch eine zweite Zigarette an, rauchte diese zu Ende und – nein, nicht erneut in den bereits im Aschenbecher klebenden Kaugummi, der war ja schließlich schon mit erster Kippe belegt – warf den noch glimmenden Stummel in die zwischenzeitlich bis auf einen kleinen Rest geleerte Kaffeetasse, was mich denn nun doch ein klein wenig hyperventilieren ließ, ob dieses mehr als grenzwertigen Benehmens. Auf meine Frage, ob es denn noch ein Tässchen Kaffee sein dürfte, meinte Herr Graumeliert doch ernsthaft: „Ja aber gerne doch, könnte ich aber bitte ´ne neue Tasse haben, in der schwimmt jetzt ´ne Kippe !“ Beachtlich, dass er diesen Umstand wirklich realisiert hatte ! Ich habe mir jeden weiteren bissigen Kommentar verkniffen, aber der Herr muss wirklich Hellseher gewesen sein, da mir ganz kurz tatsächlich der Gedanke kam, ihm die zweite Tasse Kaffee, dekoriert mit der in der Tasse schwimmenden Kippe, zu servieren !

Richtig „gemütlich“ wurde es dann zum Ende der nahezu dreistündigen Beratungssitzung, nachdem Herr Graumeliert mich versuchte davon zu überzeugen, dass er seine mir während des Gespräches geschilderten sexuellen Obsessionen auch gerne mal außerhalb meiner Praxis mit mir gemeinsam ausleben würde (Mein Mann wäre an dieser Stelle, nehme ich stark an, wirklich begeistert gewesen !!!), man könne ja das

Honorar für die erfolgte Beratung entsprechend mit dieser angebotenen Dienstleistung verrechnen, höhö – ich zeigte mich in Anbetracht dieses nahezu unschlagbaren Angebotes weniger als interessiert und warf besagten Herrn, nachdem ich auf einer sofortigen Barzahlung meines Honorars, ich verzichtete dankend auf einen in Aussicht gestellten immateriellen Ausgleich, bestanden hatte und seinem „freundlichen“ Abschiedsgruß „Scheiß Lesbe !“ achtkantig raus.

Ich möchte dieses Ereignis nicht unbedingt zwingend in Zusammenhang mit besagtem Datum, Freitag den 13. und 13.00h, bringen, jedoch werde ich in Andenken an diesen mehr als denkwürdigen und ereignisreichen Tag, ausnahmslos zukünftig jeden Freitag, den 13., als Tag meines persönlichen Erwachens gebührend würdigen und feiern.

Nachdem Herr Graumeliert gegen 16.15h meine Praxis etwas unfreiwillig unter wüstem Protest verlassen hatte, hielt ich das ganze noch für einen absoluten Einzelfall mit der Bezeichnung „klassisch durchgeknallt“ und „Hatte wohl einen echt schlechten Tag !“. Ich unterlag in Bezug darauf, wie ich heute feststellen muss, einem wahren Trugschluss, der zwischenzeitlich zur völligen Desillusionierung meinerseits erheblich beigetragen hat !

Gegen 17.00h rief mich an gleichem Tag, nachdem ich mir zur Nervenberuhigung erst einmal selbst eine Tasse Kaffee genehmigt hatte, ein neuer Klient in meiner Praxis an. Nach dem bei mir üblichen ersten Informationsgespräch, fragt mich dieser Herr doch tatsächlich, inwieweit mein Äußeres mit dem in meiner Webseite abgebildeten Foto übereinstimmen würde, ob das etwa wirklich Naturlocken seien, wie alt dieses Bild wäre, wie alt ich sei und wie groß ich bin. Ich fragte etwas irritiert, inwieweit mein Aussehen und mein Alter, sowie meine Körpergröße und meine Haare etwas mit einem eventuellen Beratungsgespräch und meiner fachlichen Qualifikation gemein hätten und erhielt die Antwort, man bräuchte in der Tat dringend eine Beratung, das habe man für sich erkannt, aber das Auge würde ja schließlich immer „mitessen“ und man habe sich nicht aufgrund meiner lt. Webseite fachlichen Qualifikation für meine Praxis entschieden, sondern aufgrund meines für seinen Geschmack recht ansprechendes Äußeres. Aaaaah ja, das ist wirklich ein einleuchtendes Argument !!! Bevor es noch einmal zu derben Entgleisungen in meiner Praxis, welcher Art auch immer, kommt, habe ich den Herrn gleich aus der Leitung komplimentiert und ihn an einen kompetenten Kollegen weiterempfohlen.

Ganz am Rande erwähnen möchte ich nur ganz kurz, dass ich von diesem Herrn, der über eine sehr einprägsame Stimme mit leichtem Sprachfehler verfügte, am nächsten Tag einen für sein dafürhalten „anonymen“ Anruf erhielt, in dem er mich auf´s übelste beschimpfte und bedrohte. Nachdem ich das Gespräch durch Auflegen meinerseits beendet hatte, rief ich ihn noch einmal kurz unter der mir bekannten Telefonnummer an und legte ihm dringend die Konsultation eines kompetenten Psychiaters oder Psychoanalytikers nahe, da er augenscheinlich mit Zurückweisung nicht zurecht käme und offensichtlich ein tiefgehendes Problem hätte.

Gegen 19.30h (noch immer Freitag der 13. !) der nächste Anruf in meiner Praxis: Nach der Stimme zu urteilen, selbst gefühlt ein Häufchen Elend, energetisch hingegen ? Für meinen Geschmack eher eine tickende Zeitbombe !!! Anfrage des Herrn, ob ich ihn im Hinblick darauf verstehen könne, dass er sich schon desöfteren mal an kleinen Mädchen vergriffen habe ? Häää, wie bitte, nein, kann ich beim besten Willen und allem Verständnis absolut nicht, jedoch würde ich ihm dringend zur Selbstanzeige bei der

Polizei oder aber gleich der Staatsanwaltschaft raten. Schlussansage des Herrn, bevor er den Hörer auf die Gabel knallte: „Und ich dachte, bei Dir Schlampe bekomme ich ein richtiges Beratungsgespräch !“ Neeee und dankeschön, mit absoluter Sicherheit bei mir nicht !!!

Nach diesem Anruf hatte ich mir selbst versprochen, bei weiteren Anrufen das Klingeln des Telefons geflissentlich zu überhören und meinen mehr als wohlverdienten Feierabend auf der Couch vor dem Fernseher oder in der Badewanne mit einem guten Buch bewaffnet zu verbringen.

Am nächsten Morgen musste ich beim Abhören meiner Mailbox feststellen, dass mir um 23.30h (vom Freitag den 13. !) ein ganz freundlichen Kollege ( Ebenfalls männlich !!!) eine mehr als freundlich- kollegiale Nachricht hinterlassen hatte: Ich sei eine Hexe übelsten Ausmaßes und gehöre für seinen Geschmack besser heute noch auf dem Scheiterhaufen verbrannt ! Aaaah ja, ich bin mächtig beeindruckt, Herr Kollege !!!

Meines Wissens fand der letzte Hexenprozess der Inquisition im Jahre 1954 in England statt, bei der eine Frau, ihres Zeichens Hebamme, wegen des damals gefürchteten angeblichen bösen Blicks, dessen man sie verdächtigte, weil bei einer Geburt in ihrer Gegenwart ein Kind verstorben war, zwar nicht auf dem Scheiterhaufen, jedoch stattdessen für acht Jahre im Gefängnis gelandet war – aber man soll ja bekanntlich niemals „nie mehr“ sagen und vielleicht habe ich da ja irgend etwas nicht mitgekriegt !!! Sicherheitshalber werde ich auf jeden Fall England zukünftig bei der Auswahl meiner bevorzugten Urlaubsziele nicht mehr berücksichtigen und ersatzlos von meiner Liste streichen !

Leichtes Lallen ließ mich darauf schließen, dass sich besagter Kollege vor seinem Anruf entsprechend Mut antrinken musste (Ist nur zu verständlich, wenn man den immensen Mut aufbringen muss, eine stadtbekannte Hexe nächtens um 23.30h anruft !) – nicht anders kann ich den Umstand interpretieren, dass der Alkoholpegel offensichtlich bereits so hoch war, dass er vor seinem Anruf auf meinem Handy vergessen hatte, seine Rufnummer zu unterdrücken, die mir noch vor seinem freundlichen und kollegialen Gute- Nacht- Gruß angesagt wurde.

Am darauffolgenden Montag rief ich also kurzentschlossen in seiner Praxis an. Als erstes hatte ich seine Assistentin am Telefon; ihre Nachfrage, um was es sich denn handeln würde, beschied ich mit der Antwort: „Mein Anruf ist privat, wir kennen uns gut, Ihr Herr xyz hatte mich versucht in der Nacht von Freitag auf Samstag telefonisch zu erreichen !“ Die Assistentin verband mich mit Herrn xyz. Ich: „Guten Morgen, hier ist die vom Scheiterhaufen, Sie wollten mich gerne sprechen !“ Totenstille und dann wurde es richtig peinlich: Er habe das alles nicht so gemeint, es täte ihm ja so leid, er wisse gar nicht, was da ihn ihn gefahren sei; er habe sich wahnsinnig geärgert, weil mehrere Klientinnen die Therapie bei ihm aufgrund von Erfolglosigkeit abgebrochen hatten und zu mir in die Praxis gewechselt seien.

Ich war anlässlich dieses Gespräches wirklich beeindruckt und empfahl ihm dringend darüber nachzudenken, sich einen Platz auf der Couch in meiner Praxis zu reservieren. Er meinte kleinlaut, intensiv über diese Empfehlung nachzudenken, da gäbe es in der Tat

wohl beratungsrelevante Defizite. An dieser Stelle: „Herr Kollege, ich warte noch immer auf Ihre diesbezügliche Anmeldung, Sie hätten es wirklich dringend nötig – wir diskutieren anlässlich des Gespräches auch die schädlichen Auswirkungen von Alkohol in Bezug auf die Denkleistung des Gehirn !!!“

Da ich zu nahezu grenzenlosem Verständnis und weitgesteckten Grenzen der Toleranz neige, aber auch ein immenses Helfersyndrom, Sensibilität und Mitgefühl besitze, das nun einmal in Bezug auf meinen Beruf meines Erachtens unabdingbar notwendig ist, hatte sich auch nach diesem besagten Freitag den 13. August 2010 noch kein Hallo- Wach- Effekt bei mir gemeldet, ganz im Gegenteil, habe ich diesen Freitag den 13. unter „Shit Happens“ verbucht und erst einmal auch auf das an diesen Tag übermäßig schwüle Wetter, das ja bekanntermaßen so einigen Mitmenschen gewaltig auf´s Hirn schlägt, geschoben.

Nach zahlreichen weiteren Gesprächen, Beratungen, Telefonaten und Besuchen von Herren in meiner Praxis muss ich jedoch heute leider als Resümee die Feststellung machen, Freitag der 13. August 2010 war nicht einer dieser üblichen und allseits bekannten „Vergiss es einfach und schlag ein Ei drüber- Tage“, sondern lediglich ein kurzer Einblick auf das anscheinend mittlerweile übliche und auch typische Verhalten der übrigen 50% der Weltbevölkerung.

Konfrontiert wurde ich seitdem mit:

- Herren, die zwar zunächst als das vermeintlich ärmste Schweinchen auf dieser Welt, nahezu auf allen Vieren in meine Praxis gekrochen sind, oftmals tränenreich das „Mea Culpa – Asche auf mein Haupt“ zelebriert haben, jedoch kaum, dass sie mit meiner Hilfe wieder Oberwasser zur Verfügung hatten und sich stellenweise vom Boden erheben konnten, zum verbalen Frontalangriff gegen mich ausholten;

- Herren in einer latenten selbstgewählten Opferrolle nach dem Schema „Ich bin das ärmste Schwein von allen, alle anderen hacken nur auf mir rum und alle anderen sind an meinem Elend schuld, nur ich nicht !“ – die binnen kürzester Zeit, nachdem ich sie mit dem Thema Eigenreflektion und Spiegel der Selbsterkenntnis konfrontiert habe, verbal in meiner Praxis zum potentiellen Massenmörder mutierten;

- Herren, die ein derart unterirdisch schlechtes Benehmen, nebst dem berühmten bereits eingangs beschriebenen und sich mit schöner Regelmäßigkeit wiederholendem „EKG“ = Eier- Kontroll- Griff (Sorry, meine Herren, haben Sie derartiges tatsächlich schon mal bei einer Frau beobachtet – ich denke mal eher nein !), in meiner Praxis aufführten, wie spätpubertierende Halbwüchsige;

- Herren, die meine fachliche Qualifikation und Kompetenz primär an meinem Aussehen und meiner Körbchengröße festmachten;

- Herren, die offensichtlich etwas verwechseln – sie suchen zunächst dringend Hilfe in meiner Praxis, um Blockaden zu lösen, Verletzungen zu heilen, zu sich selbst und damit wieder zu anderen zu finden, begrenzende Verhaltensmuster aufzulösen und einengende Denkstrukturen grundlegend zu verändern – kaum spüren sie jedoch im Verlauf der Sitzung eine gravierend positive Veränderung, gestalten sie das ganze zum Ende der Beratung wie einen gerade absolvierten Bordellbesuch: Sie verachten zum Schluss, was sie anfangs so sehr begehrten oder besser verständlich, „Ich bezahle für die Dienstleistung, also kann ich auch so richtig das Tier im Mann raus lassen !“;

- Herren, die sich der trügerischen Illusion hingeben, da könnte neben den in Anspruch genommenen Beratungen in meiner Praxis auch noch ein bisschen was auf ganz privat- intimer Ebene laufen, garniert oftmals und gerne mit dem Argument „man sei sich im Laufe des Gespächs ja so nah gekommen“;

- Herren, die der Ansicht sind, eine Beratung in meiner Praxis beinhalte gleichzeitig Gruppenkuscheln und Entertainment rund um die Uhr, gerne auch am Wochenende und zu nachtschlafender Zeit, weil man gerade so einen kleinen Durchhänger hat und maßlos traurig ist;

- Herren, die von mir die Generalabsolution für eheliche Gewaltattacken und außereheliche Betriebsamkeit einfordern, weil sie der Ansicht sind, dazu von ihren Ehefrauen provoziert worden zu sein

- und schlussendlich Herren, die der Ansicht sind, dass mein Helfersyndrom, Mitgefühl und Verständnis derart grenzenlos ist, dass bei mir anlässlich ihres Auftretens als armes Opfer und „Keiner hat mich mehr lieb und nimmt mich auf den Arm !“ generell der Mami- Instinkt erwacht, der in schöner Regelmäßigkeit die Muttermilch einschießen lässt.

Zu 100% den Vogel endgültig abgeschossen hat ein Klient, der offensichtlich der Ansicht war, mich als Selbstverständlichkeit in Anbetracht der täglichen Erreichbarkeit in meiner Praxis, unzählige Male – selbstverständlich für ihn zum Nulltarif – vor dem eigentlichen Beratungstermin aufgrund von völlig irrelevanten Belanglosigkeiten nach Belieben anrufen zu dürfen, gerne auch Samstagabend um 21.00h und von dem ich am gestrigen Tag eine kläffige SMS erhielt, in der er mir drohte, ich könne dankbar sein, an ihn geraten zu sein, nachdem ich ihm zwei für ihn individuell erarbeite Tiefenanalysen von jeweils rund 130 (!!!) Seiten und einem Channeling, nach seinen unvermeidbaren Rauswurf aus meiner Praxis vor Inanspruchnahme einer Beratung, selbstverständlich in Rechnung gestellt hatte, da er der Meinung war, ich würde damit den Menschen das Geld aus der Tasche ziehen.

Das ist in etwa so, als ob Sie ein Vollkornbrot beim Bäcker verlangen, er Ihnen im Gegenzug den Preis nennt, selbstverständlich bevor Sie den Laden verlassen auf Bezahlung desselben besteht und Sie ihm anschließend drohen, er können dankbar und froh sein, mit Ihnen Bekanntschaft gemacht zu haben – jeder andere hätte aller Wahrscheinlichkeit gleich zugeschlagen, also noch einmal so richtig Glück gehabt -, und dann argumentieren, mit der Forderung nach korrekter Bezahlung würde er für Ihr dafürhalten ohnehin den Kunden nur das Geld aus der Tasche ziehen ! Das muss man aber jetzt nicht wirklich verstehen oder ???!

Bemerkenswert festzustellen ist an dieser Stelle, dass Männer offensichtlich, kaum dass sie wieder in der Lage sind halbwegs aufrecht zu gehen, sofort zur überdimensionalen Keule greifen, die nächste Kriegserklärung aussprechen und die Schlacht als eröffnet erklären.

Ich musste leider aufgrund der gemachten Erfahrungen seit besagtem Tag „X“ feststellen:

Ein Mann fühlt sich offensichtlich erst dann als Mann, wenn er
den Krieg als eröffnet erklären und dann zur Waffe greifen kann !

Dass Männer gerne, oftmals und bereitwillig Krieg führen, hierüber sich gerne ihre eigene Stärke und vermeintliche Überlegenheit bestätigen, wissen wir nicht erst seit der Belagerung Trojas oder Hannibals Zug mit den Elefanten über die Alpen. Verstärkt musste ich jedoch feststellen, dass wir uns zwar heute glücklicherweise nicht mehr im Kriegszustand befinden und die Gefahr, dass man(n) sofort zum Schwert oder zur Steinzeit- Keule greift, heute eher gering ist, mittlerweile jedoch eine andere, mehr als gewöhnungsbedürftige und derbe Form der subtilen Kriegserklärung eingesetzt wird: Unachtsamkeit, Respektlosigkeit, einfach nur rüpelhaftes und unterirdisch schlechtes Benehmen und – auch wenn Mann sich in edle Anzüge kleidet, Krawatte und maßangefertigte Schuhe trägt und sich in duftende Wässerchen hüllt, teilweise sehr schmeichelhaft und charmant auftritt, man ihm also zumindest unterstellen könnte, sich bereits den Annehmlichkeiten und Anforderungen der westlichen Zivilisation gestellt zu haben – immer wieder eine zumindest zeitweise Metamorphose zurück zum Neandertaler stattfindet.

Meine Herren, seien Sie sich gewiss: Die Zeiten, in denen Sie noch den aufrechten Gang übten, Sie sich in der Jagd des Mammuts und Säbelzahntigers beweisen durften, Stammesrituale unter echt harten Kerlen am Lagerfeuer feierten und die Höhle im Neandertal behausten, sind endgültig vorbei; der Geschlechterkampf á la „Männer kommen vom Mars und Frauen von der Venus – man spricht also definitiv nicht die gleiche Sprache“ ist ebenfalls schon lange, auch wenn diese grundlegende Veränderung bislang vielleicht etwas im Verborgenen blühte, beendet !

In meiner Praxis geht es nicht um die Frage Täter oder Opfer, schuldig oder unschuldig, das immerwährende verteidigen einer blütenreinen weißen Weste – innerhalb meiner Beratungen geht es einzig und allein um Verständnis, Erkenntnis, das Sich- selbst- Kennenlernen, das Sich- Finden, Reflektion, Klarheit, Wahrheit und den Spiegel der Selbsterkenntnis. Sie vereinbaren mit mir einen Termin, um Hilfe zu finden – was Sie bei mir jedoch niemals finden werden sind verbale Auseinandersetzungen im tiefsten Dschungelniveau, ich stehe auch nicht repräsentativ für Ihre Frau, Partnerin oder Freundin und vertrete diese auch demzufolge nicht, ich biete Ihnen keinerlei Projektionsfläche, ich stehe auch nicht als Fußabtreter für ihre miese Laune zur

Verfügung, bin definitiv nicht der Blitzableiter für mangelhafte Stress- Resistenz und ich bin niemals Ihr Gegner in einem Krieg, den Sie zwar im Außen führen, der sich jedoch in Ihrem Innern stattfindet. Nicht ich bin Ihr Feind und Gegner und Sie sind auch nicht gezwungen, sich im Zweikampf, ähnlich einem Duell im Morgengrauen, mit mir messen oder aber einen imaginären Krieg gewinnen zu müssen – Ihr größter Feind bin nicht ich, sondern ausschließlich Sie selbst !

Wie ich leider immer wieder in der Vergangenheit feststellen musste, ist sowohl was die Änderungsbereitschaft, der Wille zur Reflektion, als auch die Motivation zu einer aktiven Veränderung der Gesamtsituation und des eigenen Verhaltens bei Männern mehr als gering einzustufen. Am besten alles ändert sich ganz schnell zum positiven, aber bitte ohne eigene Veränderung und Aktivität !

Der Grund hierfür ? Ganz einfach, weil sich Männer spätestens an diesem Punkt die eigene Sensibilität und Empathie eingestehen müssten; sie müssten sich selbst gegenüber zugeben, dass auch sie eine Seele besitzen, die nachgiebig und verletzlich und nicht so stark ist, wie man(n) sich das gerne selbst Glauben machen will. Diese Erkenntnis wird gleichgesetzt mit einem Eingeständnis von eigener Schwäche und Verletzlichkeit – ein fataler Trugschluss und Irrglauben. Kein Mann dieser Welt verliert an Stärke indem er sich selbst eingesteht, dass er sensibel und verletzbar ist, ganz im Gegenteil, gewinnt er hierdurch enorm an innerer Stärke, eigener Identität, Authentizität und Glaubwürdigkeit.

Damit wir uns an dieser Stelle richtig verstehen: Ich spreche Männern grundsätzlich keinesfalls die Chance zur Veränderung ab, sie haben sie verdient und ich würde mich sehr darüber freuen, wenn sie diese grundlegende Chance auch nutzen würden – was ich Männern, zumindest einem hohen prozentualen Anteil von Ihnen, jedoch gänzlich abspreche, ist das Erkennen im Hinblick auf die Notwendigkeit einer Veränderung. Also nur Mut, meine Herren, es tut auch ganz bestimmt weniger weh wie Zahnziehen und nichts fühlt sich so gut und unvergleichlich an, wie der Sieg über das eigene Ego !

Auch wenn zukünftig bis auf weiteres in meiner Praxis gilt, Neandertaler und Kriegshelden – nein danke, möchte ich jedoch auch zukünftig nach dem Rundum- Totschlag- Prinzip nicht alle Männer dieser Welt in eine Schublade stecken: Weiterhin sehr herzlich willkommen und überaus gern gesehen sind in meiner Praxis Herren, die ihre eigene Stärke kennen, jedoch sich auch Schwäche eingestehen und diese zulassen können, die sich ihrer eigenen Sensibilität, Empathie und Verletzlichkeit bewusst sind, die nicht nur Hilfe suchen, sondern diese auch mit dem notwendigen Respekt und Achtung annehmen können, die erkannt haben, dass sie keine Machtdemonstration oder Gewaltbereitschaft, Aggression und Kriegserklärung brauchen, um mit 50% der Weltbevölkerung friedlich auf Augenhöhe kommunizieren und existieren zu können und die für sich entdeckt haben, dass auch sie tatsächlich so etwas wie eine Seele besitzen.

Jutta A. Lotz- Hentschel


 
Kontakt zum Verfasser:
Jutta Lotz- Hentschel
Telefon: 06151-4296444





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