»Perle des Ostens« nannten die Portugiesen Goa und hielten es 450 Jahre lang kolonial umklammert. Erst seit 1961, als Nehru die militärische Besetzung anordnete, gehört das nur 3700 km² große Ländchen zur Republik Indien. Goa (1,4 Mio. Ew.) ist im Gegensatz zu anderen Regionen Indiens nicht so übervölkert und hat auch keine großen Ballungszentren mit Elendsquartieren. Vor allem aber hat es kulturelles Erbe aus zwei Welten vorzuweisen: das alte indische, das selbst durch jahrhundertelange koloniale Unterdrückung nicht verdrängt wurde, und das portugiesisch-mediterrane. Neben herrlich langen Palmenstränden und teils romantischen, teils im Hotelboom verbauten Buchten können Sie Kirchen und Tempel, Karneval und Märkte besuchen.
Vor 40 Jahren kamen die ersten westlichen Touristen, die Hippies. Sie machten Goa in Europa bekannt, und das Verlangen nach Sonne und Meer brachte den Massentourismus in Gang. Viel Geld, auch ausländisches, wurde investiert, was manchem Einheimischen nicht gefiel. Doch schlimmer noch waren die gravierenden Umweltprobleme - unter anderem geriet die Wasserversorgung aus dem Gleichgewicht, und an manchen Stellen wurde zu viel gebaut. Doch das Rad lässt sich kaum mehr zurückdrehen, denn auch die indische wohlhabende Mittelschicht macht zunehmend in Goa Urlaub. Trotz allem versucht man, das heitere goanische Leben zu erhalten und zugleich die verbliebene Natur zu schützen.
Neue Hotels stehen nicht direkt am Sandstrand, sondern hinter einem Palmengürtel, etwa 200 m von der Brandung entfernt. Der Regierung ist es zum Glück nicht gelungen, kleine Restaurants aus der Nachbarschaft der Strände zu vertreiben, auch die Verkäuferinnen mit ihren runden Obstkörben dürfen den Gästen noch Früchte oder Batiktücher am Strand anbieten. In den Ortschaften haben sich jedoch überaus viele Buden mit diversem Schnickschnack etabliert.
Nicht vom Tourismus überrollt wird das Hinterland Goas, sogar die Hauptstadt Panaji (Panjim) mit ca. 100 000 Ew. hat sich den friedlichen Charme des Provinziellen bewahrt. Goas Küstenebene steigt nach Osten hin über waldige Hänge zum Dekkan-Hochland an. Von dort kommen die Flüsse und bilden breite Mündungsbuchten am Meer. Bei einer Nord-Süd-Fahrt muss man Fähren benutzen, die zwischen Mai und September dauernd in Bewegung sind: eine beschauliche Art des Reisens. Mit ungewohntem Tempo bewältigt dagegen die erst kurz vor der Jahrtausendwende eröffnete Konkan Railway die Strecke von Bombay nach Goa (und weiter nach Mangalore). Mit ihren vielen Tunneln ist die Strecke ein Meisterstück des Bahnbaus, und reich an schönen Ausblicken ist sie außerdem. Frühzeitig buchen (an jedem größeren Bahnhof möglich)!
