Online Presseportal für kostenlose Pressemeldungen Pressemitteilungen
 

Essen + Trinken

       

Wer ist online

Zur Zeit sind 3 Autoren und 792 Leser online.

„ STARBUCKS – unseren täglichen Pappbecher Unkultur gib uns heute !!! „

04.10.2010 14:42 | Essen + Trinken

Jutta A. Lotz Hentschel - Autorin, Schriftstellerin & freie Journalistin

Zunächst einmal muss ich gestehen: Ich liebe Kaffee und seinen unübertrefflichen Duft über alles – Kaffee am Morgen und der Tag beginnt für mich ohne Sorgen ! Für mich ist Kaffee ein Stück Lebenskultur – andere Menschen reden mit ihren Pflanzen, ich streichle jeden Morgen meine Kaffeemaschine und bedanke mich bei ihr für das, was da duftend in die Tasse läuft.

Für eine Tasse edlen Kenia Blue Mountain würde ich mir notfalls die Absätze schief laufen und der Duft von frisch gebrühtem Kaffee zieht mich magischer an, als eine Parfümerie. Ich zelebriere meine Kaffeestunde – dazu gehört für mich vor allen Dingen Ruhe und Muse, schönes Porzellan, feinster Rohrzucker und frische Vollmilch, der Genuss steht für mich dabei absolut im Vordergrund.

Nun gibt es seit langem in unserer Stadt eine Starbucks- Filiale, die sich mittlerweile immens großer Beliebtheit zu erfreuen scheint. Geht man durch die Fußgängerzone in der Innenstadt erkennt man den Standort der Starbucks- Filiale nicht etwa an einem Hinweisschild oder aber aromatischem Kaffeeduft, sondern in der Regel an Bergen von Pappbechern, den dazugehörigen Plastikdeckeln und Papphaltegriffen, die sich quer durch die Strasse verteilen. Zum Stadtbild gehören mittlerweile unzählige Passanten, die mehr oder weniger professionell und angestrengt an ihrem Starbucks- Kaffee- to-go- Pappbecher, bzw. dem dazugehörigen Trinkschnuddel am Becherdeckel nuckeln.

Würde man vergleichsweise einem Gast in einem normalen Café sein bestelltes Getränk in einer ordinären Schnabeltasse ohne Starbucks- Logo servieren, gut, es soll auch Lokalitäten geben, die ihren Gästen Getränke originellerweise in einem Nachttopf servieren, wäre der Erfolg des Lokals mit Sicherheit dauerhaft infrage gestellt – nicht so bei besagter Kaffee- to- go- Kette.

Vor einigen Wochen kam ich in den, im nachhinein besehenen mehr als zweifelhaft einzustufenden „Genuss“, zu einem Kaffee bei Starbucks eingeladen zu werden. Stehend in einer Endlos- Warteschleife von rund 15 Personen versuchte ich mit dem Bekannten, der mich eingeladen hatte, das in englischer Sprache verfasste und auf einer Tafel an der Wand befindliche Angebot zu übersetzen. Tall, Grande, Venti ? Hazelnut, Peppermint oder Raspberry plus Espresso Shot ? Wie ? Johannisbeer- Geschmack oder Pfefferminz im Kaffee ? Wir wollten eigentlich nur einen Kaffee, einen frisch gebrühten und stinknormalen Kaffee, aber bitte kein After- Eight in der Flüssigversion !

Nun muss man zunächst wissen, bei Starbucks gibt es niemanden, der einfach nur die Bestellung entgegennimmt – nein, das Personal hinter dem Tresen wird als „Barista“ bezeichnet ! Als Barista bezeichnet man in der Regel einen „Kaffeekünstler“, der im Hinblick auf das Produkt Kaffee über immens großes Wissen verfügt, diesen nach allen Regeln der Kunst auch zubereiten kann, diesen dann vor dem Servieren entsprechend dekorativ verziert (es gibt sogar in diesem Bereich eine Barista World Championship) und dem Gast formvollendet kredenzt. Das Personal hinter dem Tresen einer Starbucks- Filiale als „Barista“ zu bezeichnen, käme in ungefähr dem Vergleich nahe, einen Angestellten in der Küche einer Mc Donald`s- Filiale mit einem vom Michelin ausgezeichneten Fünf- Sterne- Koch in Zusammenhang zu bringen.

Obwohl der englischen Sprache durchaus mächtig, fragten wir die Barista, ob sie uns kurz über das Angebot informieren könne. In breitestem US- Slang wurde uns dann exakt der Inhalt der an der Wand befindlichen Tafel nahegebracht – Fazit: Wir waren genauso schlau wie vorher ! Auf unsere Bitte hin wurde uns das ganze mit hochgezogener Augenbraue und dem mehr als aussagekräftigen Killerblick, den man auch als „Du unwissender Wicht wagst es .... !“ hätte interpretieren können, dann in Folge allgemeinverständlich nochmals in deutsch erklärt und nahegebracht. Unser Wahl fiel auf einen „Tall Mocha Double Espresso Shot Whipped Cream Hazelnut to go“ oder besser verständlich „einen kleinen Kaffee mit doppeltem Espresso, frischer Sahne und Haselnuss- Sirup“ und das ganze bitte im Pappbecher mit besagtem Plastikschnuddel.

Nachdem wir unsere Bestellung bei der Barista aufgegeben hatten, fragte man uns nach unserem Vornamen – ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt definitiv nicht, dass die Bekanntgabe meines Vornamens Grundvoraussetzung ist, um bei Starbucks einen Kaffee bestellen zu können, aber nun ja, that´s American Style. Also bitte das ganze für „Gerd“ !!! Die Barista: „Das dauert, wir rufen Dich !“

Uns war bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt, dass wir aufgrund der getätigten Bestellung eine so tiefe Freundschaft und Beziehung mit der Barista eingegangen waren, dass sich hier ein vertrauliches und freundschaftliches „Du“ rechtfertigen lassen würde, zumal sowohl ich, als auch mein Begleiter dem Zahnspangen- Alter längst entwachsen sind. Mein Bekannter: „Wir warten dann vor der Türe, wir wollten uns ohnehin an einen Tisch im Freien setzen !“ Die Barista: „Okay, Gerd, ich gebe Dir dann Bescheid !“ Aaaaah ja !

Nach rund fünfzehn Minuten Wartezeit ertönte ein mittlerer Urschrei von drinnen: „Geeerd, Dein Kaffee steht zur Abholung bereit !“ Bevor uns die Becher mit unseren Kaffees überreicht wurden, zitierte uns die Barista dann noch einmal in breitestem US- Slang in englisch detailliert und ausführlich unsere Bestellung. Soweit so gut !

Nachdem wir einen nahezu inflationären Preis für unsere beiden Kaffees im Plastikbecher inklusive Plastik- Trinkschnuddel entrichtet hatten, nahmen wir wieder unsere Plätze im Freien an einem der Tische in der Nähe des Eingangs ein. Die erste Frage meines Bekannten: „Kriegen wir da auch einen Strohhalm dazu oder wie trinkt man das ?“ Nix Strohhalm, dafür gibt es ja schließlich den Trinkschnuddel im Deckel ! Mein Kommentar: „Wir üben damit am besten schon mal für´s Altersheim, wenn man uns irgendwann einmal dort den Caro- Kaffee in der Schnabeltasse serviert !“

Im Sitzen mag das Trinken aus dem Plastikschnuddel noch möglich sein, was mir jedoch ein absolutes Rätsel bleiben wird, ist die Antwort auf die Frage, wie man das ganze professionell auch noch unter Zeitdruck beim Laufen, mit einer Hand das Handy am Ohr haltend und sich dabei noch mit seinem Nebenmann unterhaltend, in sich hineingießt ! Nun ja, wir üben ja noch und schließlich ist das unser erster Besuch bei Starbucks.

Ein erster Schluck aus meinem „Tall Mocha Double Espresso Shot Whipped Cream Hazelnut to go“ erwies sich dann als absolute Grenzerfahrung mit einer mir bisher völlig unbekannten kulturellen Strömungsrichtung. Ich: „Sag mal, bist Du Dir sicher, dass in dieser Plörre wirklich Kaffee drin ist ? Das erinnert mich eher an geschmolzenes Haselnuss- Eis oder ein Milch- Shake mit viel Zucker !“ Mein Bekannter: „Das ist ein echter Starbucks- Kaffee !!! Den trinkt in New York und sogar an der Wallstreet jeder !“ Aaaaha, wenn ihn dort jeder trinkt, muss er ja wohl entweder gut sein und ich habe keine sensiblen Geschmacksknospen auf der Zunge oder aber man könnte bösartigerweise behaupten, die New Yorker, bzw. Wallstreeter wissen nicht, was einen wirklich guten aromatischen Kaffee ausmacht !

Nachdem sich das Trinken aus der vermeintlichen Schnabeltasse doch etwas schwierig gestaltete, entschloss ich mich dazu, den Deckel samt Trinkschnuddel abzunehmen. Mein erster Blick in den Becher bestätigte meinen Verdacht in Richtung „Plörre“ – da schwappte eine hell- nougat- farbene Brühe in meinem Becher, die intensiv, nahe der Geruchsbeläsigungsgrenze, nach Haselnuss roch. Ich zu meinem Bekannten: „Duuu, Gerd, sag mal, hast Du schon mal Haselnüsse gegessen, die auch nur ansatzweise so intensiv nach Nüssen rochen und schmeckten ?“ Gerd: „Neee, eigentlich nicht, was meinst Du denn, was da drin ist ?“ Ich: „Alles, bloß kein Kaffee, denken wir jetzt mal lieber nicht drüber nach und gießen das Zeug in uns rein, damit es weg ist ! Aber ich betreibe da später mal Grundlagenforschung !“

Während unseres Kaffee- Pläuschchens beobachteten wir dann ein weiteres Phänomen, das uns doch sehr zu denken gab. Auch wenn die Barista immer wieder mittels Urschrei wartende Gäste zur Abholung ihres Kaffees (schon beim Schreiben dieser Bezeichnung in Verbindung mit dem, was da in meinem Becher schwappte, schmecke ich noch den Haselnuss- Geschmack auf meiner Zunge !) aufforderte, wurde die Schlange in der Filiale und vor allen Dingen davor, lang und länger und erinnerte mich fatal an den Ausverkaufstag mit Schnäppchenangeboten eines Discounters. Der Unterschied lag jedoch darin, dass es diese Plörre in meinem Becher nicht gerade zu einem Schnäppchenpreis gibt, sondern hierfür nahe an der Inflationsgrenze liegende Preise verlangt und auch von hartgesottenen und eingefleischten Starbucks- Jüngern bereitwillig und gerne gezahlt werden.

Was uns im Laufe unseres Besuches bei Starbucks auffiel und uns sehr zu denken gab, war eine spontan stattfindende Metamorphose ankommender Gäste, sobald sie sich unterhalb einer imaginären Grenze von rund zehn Metern vor der Starbucks- Filiale befanden. Bis zu einem bestimmten Pflasterstein, der eine besonders herausstechende Farbe zu den anderen Steinen hatte, benahmen sie die Passanten eigentlich noch ganz normal, überschritten sie jedoch diesen Pflasterstein in Richtung Starbucks- Filiale, um deren Eingang anzustreben, ging ein imaginärer Ruck durch sie, sie schienen optisch um fast zehn Zentimeter zu wachsen, liefen aufrechter, die Körperspannung war unübersehbar, federnder und herausfordernder Schritt, das Tempo beschleunigte sich und der Gesichtsausdruck veränderte sich merklich mit einem gewissen Hauch von Arroganz in Richtung „Wir sind wer und wir sind wichtig, denn wir gehen jetzt zu Starbucks und leisten uns, wie die Banker in New York, einen Pappbecher Starbucks- Kaffee- to- go mit Plastikschnuddel !“

Kaum den Absatz in den Eingang der Filiale geknallt, tritt grundsätzlich bei allen ankommenden Gästen zunächst konzentriertes Schweigen ein, um erst einmal mit ganz wichtigem Gesichtsausdruck und ernster Miene die ausgehängte Angebotstafel zu studieren. Ich persönlich unterstelle, der Inhalt der Tafel wurde anlässlich vorausgegangener vielfacher Besuche ohnehin mittlerweile auswendig gelernt ! Nach mehreren Minuten wendet man sich dann an eventuelle Begleiter, um ihnen ebenfalls in breitem US- Slang, das Angebot zu unterbreiten und zu eruieren, was man denn am besten auswählen könnte.

Besonders bezeichnend ist diese Metamorphose, wenn die Begleitung ebenfalls offensichtlich das erste Mal eine Starbucks- Filiale betreten hat und sich nicht auskennt, was meinen Begleiter und mich zu der Annahme verleitet hat, dass wir augenscheinlich doch nicht so doof sind, wie die Barista uns das vermitteln wollte. Unabhängig davon, ob die Begleitung eventuell nur deutsch spricht, wird das ganze dann erst einmal in perfektem US- Slang vollständig heruntergebetet. Dabei nehmen die Starbucks- Profi- Gäste exakt den gleichen Gesichtsausdruck an, wie die Barista bei unserer Bestellung mit der unausgesprochenen Ansage „Du unwissender Wicht, ich erklär Dir als Insider jetzt mal die große Starbucks- Welt !“ Nachdem die Bestellung platziert wurde, entspannt sich leicht neben den Gesichtszügen die angespannte Körperhaltung.

Wird von der Barista mit Urschrei dann jedoch die Abholung der bereit stehenden Becher signalisiert, beginnt regelmäßig Teil zwei der Metamorphose: Zumeist holt der jeweilige Besteller, also demzufolge Starbucks- Insider, die Becher ab – bis zum Betreten der Filiale ist soweit noch alles in Ordnung, aber dann geht ein Ruck durch ihn, wir fangen wieder an zu wachsen, mit festem und energischem Schritt wird der Tresen erklommen, mit Kennermiene, die Pappbecher fest im Blick, lässt man sich dann noch einmal von der Barista im US- Slang die Bestellung herunterbeten und dann kommt´s: Die Körperspannung wird gehalten, noch einen Tick an Körpergröße zugelegt, mit einem Gesichtsausdruck als habe man gerade Feindesland nach einem Präventivschlag kompromisslos erobert, die Becher von der Theke gerissen, mit federndem Schritt der entsprechende Tisch angestrebt und siegessicher, den Blick fest auf die anderen Anwesenden gerichtet, die Becher auf denselben geknallt. Die Ansage „Hier, Euer Kaffee !“ klingt weniger wie ein Versprechen, denn eher einer Drohung, was man bei dieser in den Pappbechern befindlichen Plörre durchaus verstehen kann. Langsam mit leicht herablassendem Siegergrinsen im Gesicht wird sich dann ein freier Stuhl geangelt und langsam darauf niedergelassen, nicht ohne einen Beifall- heischenden Blick in die Runde zu werfen, der besagt „Ich bin´s, ein Starbucks und ich hab ihn, den Starbuck- Kaffee- to- go !“ Standing ovations an dieser Stelle !!!

Die in dem Pappbecher befindliche Brühe wird nicht etwa einfach getrunken, nein, daran erkennt man offensichtlich sofort den Starbucks- Amateur, sie wird langsam mit immer wiederkehrenden Rückfragen, bzw. eher Statements, an die Runde, wie toll der Kaffee doch bei Starbucks sei, genuckelt und zelebriert. Ein absolutes „no go“ scheint hierbei augenscheinlich das Öffnen des Bechers zu sein. Merke: Wollen Sie nicht sofort als Starbucks- Amateur erkannt und geoutet werden, bloß nicht den Becher öffnen, niemals, um keinen Preis, auch nicht unter Androhung der Folter !

Nachdem der Becher geleert ist, wird dieser nicht etwa ordentlich in einen Papierkorb befördert, offensichtlich zeichnet auch das einen echten Starbucks- Profi aus, sondern samt Deckel inklusive Deckel, bzw. Trinkschnuddel, unter den Tisch geknallt oder mit lässig anmutender Geste über die vorzugsweise linke Schulter hinter sich geworfen. Also ebenfalls unbedingt merken: Wollen Sie nicht als Starbucks- Amateur geoutet werden, bloß keinen Papierkorb oder Mülleimer benutzen, einfach ex und hopp unter den Tisch oder lässig über die Schulter damit, aber bitte keinesfalls ordentlich entsorgen, niemals, egal was man Ihnen dafür bietet und / oder verspricht ! Dies erklärt wahrscheinlich auch, weshalb die Tische vor der Starbucks- Filiale alle ausnahmslos in einer Reihe nebeneinander ausgerichtet sind – eine Erläuterung hinsichtlich des „weshalb und warum nebeneinander und nicht in Gruppen angeordnet ?“ dürfte sich an dieser Stelle daher erübrigen !

Okay, wir gestehen, wir sind sofort als Starbucks- Amateure entlarvt worden und sicherlich nicht würdig, noch einmal die edlen und heiligen Hallen des „Kaffee- to- go“ zu betreten, geschweige denn dort jemals wieder eine Bestellung aufzugeben: Wir haben den Deckel vom Pappbecher entfernt, nach einem Strohhalm gefragt – was uns den bereits bekannten zweiten Killerblick der Barista einbrachte - und wir haben unseren Müll ordentlich in einem Papierkorb entsorgt – geht also mal gar nicht ! Uns fehlte auch beim Trinken die Starbucks-übliche Begeisterung hinsichtlich der Produkte und des lt. Eigen- PR auf der Webseite der der Starbucks- Kette, legendären Services (!!!) und wir haben auch keine übersinnliche, augenscheinlich die Seele berührende, Metamorphose erlebt. Das kommt bestimmt davon, dass wir bereits zu Beginn die Barista fragen mussten, was man denn so bestellen könne und wir das ganze auch noch auf deutsch erklärt haben wollten – ein absolutes „no go“, eben Amateure !

Endgültig als absolute Starbucks- Amateure und nicht Starbucks- würdig wurden wir sicherlich eingestuft, nachdem ich bei der Barista nach Aufgabe unserer Bestellung diskret bemerkte, ob man denn vielleicht auch gelegentlich einmal neben Aufräumen und Mülleinsammeln, die Filiale gründlich putzen und dabei vielleicht dabei auch noch die in der Filiale befindliche Stehtheke und die Tische im Außenbereich abwischen könne. Die Antwort der Barista erschöpfte sich in Killerblick Nummer drei ! Was ein echter Starbucks- Profi ist, der sieht so etwas nicht und wenn doch, dann genießt er und schweigt !

Allerdings gestehen wir selbstlos ein, möchten weder Gerd, noch ich gerne zur erlauchten und elitären Gesellschaft der Starbucks- Profis und Insider gehören, denn wir bevorzugen nach dieser gemeinsamen Feldstudie der ganz besonderen Art weiterhin Kenia Blue Mountain in edlem Porzellan, anstatt „Tall Mocha Double Espresso Shot Whipped Cream Hazelnut to go“ im Pappbecher mit Deckel und Trinkschnuddel ! Wir laufen auch weiterhin nicht beim Kaffeetrinken durch die Fußgängerzone, halten dabei nicht das stylische iPhone ans Ohr, um uns dabei mit unserem Nebenmann zu unterhalten, wir entsorgen unseren Müll auch weiterhin dort, wo er eigentlich hingehört und leben auch ohne die „Starbucks Unkultur“ und den „Tall Mocha Double Espresso Shot Whipped Cream Hazelnut to go“ weiter. Erspart bleibt mir persönlich auch der Umstand, dass mir ein Starbucks- Kaffee noch einmal nach über drei Stunden im Magen querliegt und mich in gewissen regelmäßigen Abständen daran erinnert, wo ich war und was ich wie aromatisiert getrunken habe !

Auch wenn man sich widerspruchslos der Starbucks- Philosophie unterwirft (die ganz wichtigen Menschen in New York trinken das ja alle angeblich ebenfalls, also muss es offensichtlich wirklich gut sein !), sollte man vielleicht in einem unerwartet klaren Moment einmal ganz klar fragen, weshalb der Starbucks- Hazelnut- Syrup nun tatsächlich um ein vielfaches intensiver schmeckt und riecht, als eine gemeine Haselnuss dies jemals täte. Ich habe mir die Mühe gemacht, hier einmal genau und kritisch zu recherchieren.

Wie ich bei meiner Grundlagenforschung feststellen konnte, stammen ausnahmslos alle aromatisierten Sirups des Unternehmens Starbucks aus dem Hauses „Da Vinci Gourmet“, ebenfalls wie die Starbucks- Zentrale, ansässig in Seattle/ USA. Auch wenn die Logos der Firmen Starbucks und Da Vinci Gourmet eine gewisse Ähnlichkeit aufweisen und beide ihre Firmenzentrale in Seattle/ USA besitzen, muss man schon ein kleiner Schelm sein, um hier an einen direkten Zusammenhang zu denken, was die Besitzverhältnisse anbelangt. Sehr interessant ist auch die Tatsache, dass das Unternehmen Da Vinci Gourmet im Jahre 1989 gegründet wurde und exakt im gleichen Jahr bei Starbucks, Gründung 1971, eine extreme weltweite Expansion stattfand. Ich unterstelle gemeinerweise, dass dies exakt der Zeitpunkt war, die bisherige Starbucks- Plörre mittels Da Vinci Gourmet- Sirup zu veredeln ! Soweit so gut !

Die US- amerikanische Webseite des Unternehmens Da Vinci Gourmet gibt bezüglich des Inhalts der Sirups absolut nichts her; hier sind offensichtlich eher Kalorien- Angaben gefragt – also an dieser Stelle eher Augen zu und durch ! Umfangreiche Internet- Recherchen brachten mich dann auf die deutsche Seite des Unternehmens Da Vinci Gourmet, bzw. eines Vertriebsunternehmens für deren Produkte und hier wurde ich bezüglich der Inhaltsstoffe fündig. Die alles entscheidende Frage: Was ist wirklich drin neben reichlich Zucker und Zuckercouleur als Farbstoff ? Aaaah ja, das böse E- Nummern- Verzeichnis !!!

Ich erspare meinen Lesern einen laboranalytischen Einblick über das, was sie alles mit einer Starbucks- Plörre plus Sirup, egal welche Geschmacksvariante, zu sich nehmen. Besonders auffallend ist jedoch der Stoff Natriumbenzoat, einem Konservierungsstoff, der sich in den aromatisierten Sirups befindet. Es handelt sich hierbei um eine Benzoesäure, die künstlich, also gentechnologisch oder etwas dem allgemeinen Sprachgebrauch angepasst, in der Chemie- Küche, hergestellt wird. Die gesundheitlichen Bedenken hinsichtlich der Risiken bei der Verwendung sind derart hoch, dass mittlerweile kritisch über eine Entziehung der Zulassung von Natriumbenzoat als Konservierungsstoff oder zumindest einer strengen Einschränkung bezüglich der Verwendung nachgedacht wird. Die Benzoesäure ist so giftig, dass sie lt. Empfehlung von Allergikern und Asthmatikern unbedingt vermieden werden sollte, zumal sie neben Allergien und Asthma auch noch Nesselsucht- auslösend ist. Besonders nachdenkenswert empfinde ich den Umstand, dass Natriumbenzoat so giftig ist, dass es keinesfalls in Tiernahrung verwendet werden darf, da bereits ein Anteil von fünf Promille (!!!) eine Katze tötet. Wie hoch war anlässlich Ihres letzten Besuches nochmals der georderte Anteil Hazelnut- oder Peppermint- Syrup in Ihrem Starbucks-Kaffee ? Keine Bange, Sie haben´s ja anscheinend überlebt und Sie schnurren sicherlich auch nicht !

Dem intensiven Haselnuss- Geschmack und Duft auf der Spur: Nicht zu verachten, ist die sehr dehnbare Inhaltsbezeichnung bezüglich der Sirups: Aromen ! Nicht exakt deklariert, über die Zusammensetzung keinerlei Auskunft und nix genaues weiß man eigentlich nicht ! Hierbei darf es sich lt. Gesetzgeber um künstliche Aromen, die in der Intensität in der Natur nicht vorkommen, jedoch den gleichen Geschmack und Geruch wie natürliche Vorbilder besitzen und auch naturidentische handeln, die zwar chemisch einem natürlichen Aroma gleichen, jedoch synthetisch hergestellt wurden. Also kann man sagen: Im Prinzip ist alles möglich ! Hergestellt werden diese künstlichen und naturidentischen Aromen aus z.B. Ethylvanillin bei Vanille, aber auch mit Hilfe von pflanzlichen und tierischen Ausgangsstoffen, Bakterien und Sägemehl. Wie war das nochmal mit der Katze - hier sollen bereits bemerkenswerte 5 Promille ausreichen, um sie für immer in den Katzenhimmel zu verabschieden !

Offen bleibt noch immer die Frage, weshalb schmeckt und riecht ein Starbucks- Kaffee mit Hazelnut- Syrup intensiver als jede Haselnuss dies jemals könnte ? Spontan fällt mir hierzu als Geschmacksverstärker Glutamat oder chemisch, die Glutaminsäure, ein, einer nicht- essenziellen Aminosäure, die im Gehirn die Wirkung eines exzitatorischen, also erregenden, Neurotransmitters hat. Gerne auch verwendet bei der Herstellung von stark aromatisierten Speisen, vorzugsweise aus dem Fertiggericht und Asia- Bereich oder aber auch bei Convenience-, also Halbfertig- Produkten und Essenzen, Soßen, etc.. Zwar ist Glutamat im Prinzip deklarationspflichtig, darf aber beanstandungsfrei auch unter dem Ober- und Sammelbegriff „Aromen“ verwendet werden, wenn Aromastoffe zugesetzt werden, die selbst Glutamat enthalten. Hinsichtlich eventueller Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte bei Gelegenheit Ihren Arzt oder Apotheker !

Ein weiterer Inhaltsstoff in den Sirups ist Splenda, eine Kreation des ebenfalls US- amerikanischen Hauses McNeil Nutritionals. Wie ? Noch nie gehört ? Dann wird´s aber Zeit, dass Sie die neueste Kreation aus der Chemie- Küche kennenlernen, schließlich trinken Sie es ja auch jedes Mal im Sirup Ihrer Starbucks- Plörre mit.

Also Splenda ist ein Süßstoff made in USA, er enthält neben Sucralose, einer chlororganischen Verbindung, die in Kläranlagen nur sehr schwer abbaubar ist, aber was soll´s, wir sind ja schließlich keine Kläranlage - die chemische Bezeichnung lautet hierfür: 1,6-Dichlor-1,6-dideoxy-β-D-fructofuranosyl-4-chlor-4-deoxy-α-D-galactopyranosid (klingt nicht gerade appetitlich und muss man sich auch nicht unbedingt merken !) -, Dextrose, Maltodextrin bzw. Lactose, Leucin und vor allen Dingen Carboxymethylcellulose. Letzteres (... und jetzt bitte nicht übergeben, mein Starbucks- Kaffee- to- go ist schließlich auch drin geblieben, aber es erklärt vielleicht, weshalb er auch nach über drei Stunden noch mit mir „geredet“ hat !) besteht aus Cellulose, bzw. Zellstoff, der aus Nadel- oder Laubhölzern gewonnen wird. Die Cellulose wird gemahlen, mittels einer Natronlauge in eine reaktive Alkalicellulose umgewandelt und durch eine Veretherung mit Hilfe von Chloressigsäure (!!!) in Carboxymethylcellulose umgesetzt. Verwendung findet dieses Produkt normalerweise als Waschmittelzusatz, Bindemittel, Verdicker, Papierleimungsmittel, Schutzkolloid, in der Kosmetikherstellung, Pharmazie und als Bohrhilfsmittel bei Erdölbohrungen. Wem es jetzt noch immer nicht reicht, dem sei vor Augen gehalten, dass Chloressigsäure im 1. Weltkrieg in Form von Monochloressigsäure als Gelbkreuz-Kampfstoff recht erfolgreich eingesetzt wurde. Nur der guten Ordnung halber und ganz am Rande bemerkt: das internationale Gefahrenkennzeichen für Chloressigsäure sieht folgendermaßen aus.

Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang immer wieder gerne an Endlos- Fachsimpeleien und weitereichende Diskussionen in einschlägigen Supermärkten hinsichtlich der ausgewiesenen Inhaltsstoffe bei Feinkostsalaten, Kindernahrung, Fertigprodukten jeglicher Art und Tiefkühlware. Da wird konsequent und akribisch jedes Etikett auf der Verpackung studiert, am besten gleich noch die mitgebrachte E- Nummern- Bibel zu Rate gezogen und ernsthaft abgewogen, ob es der Gesundheit förderlich oder abträglich sein könnte, eine TK- Pizza zu verzehren. Seit geraumer Zeit kommt es verstärkt immer wieder zu Diskussionen hinsichtlich genmanipulierter Lebensmittel, die mittlerweile selbst vor Tiernahrung nicht halt macht. Ich schätze grundsätzlich kritische Käufer und Konsumenten mit fachlichem Know- how und Hintergrund-, bzw. gut fundiertem Basiswissen, auch wenn derart, teilweise völlig sinnentleerte Diskussionen am Joghurtregal, oftmals zur Zerreißprobe für hartgesottene Samstagvormittag- Käufer werden können.

Kurioserweise scheint sich hingegen bei Starbucks- Produkten, insbesondere den zumeist verwendeten aromatisierten Sirups, jedes gesunde Misstrauen, jegliche Skepsis hinsichtlich der Tatsache und Frage „warum riecht und schmeckt ein Hazelnut- Syrup intensiver, als eine echte Haselnuss ?“, völlig auf der Strecke zu bleiben und sich das Hirn größtenteils endgültig zu verabschieden. Man könnte jetzt natürlich bösartig unterstellen, dass die verwendeten Sirups eine derart narkotisierende Wirkung auf´s Gehirn ausüben, dass sich weiteres Nachdenken hinsichtlich der Frage „Was ist da eigentlich drin ?“ von selbst erledigt.

Mein ganz persönliches Fazit dieses mehr als bemerkenswerten Erlebnisses: In ganz normalen Café´s in der Innenstadt wird sich bereit bei einem Preis um € 2,50 für eine Tasse Kaffee energisch aufgeregt und von Wucherpreisen gesprochen, obwohl man hier in der Regel einen sauberen Tisch und Service angeboten bekommt und, man glaubt es kaum, deutsch spricht, sowie die Karte selbst lesen und sogar verstehen kann; bei Starbucks sind Kunden jedoch widerstands- und widerspruchslos bereit, sich einer mehr als fragwürdigen „Unkultur“ zu unterwerfen, einen nahezu inflationären Preis für einen Pappbecher voll undefinierbarer Plörre, die noch nicht einmal entfernt an Kaffee erinnert, zu bezahlen und sich gezwungenermaßen als Gast in einem knapp unterhalb der Hygienestandards liegenden Ambiente aufzuhalten.

Die Qualität des angebotenen Gebräus kann es also wirklich nicht sein, zumal sich bei mir der Verdacht eingeschlichen hat, dass die grundsätzlich verwendeten Sirups in allen möglichen Geschmacksvarianten, über das was da wirklich als Grundlage im Pappbecher schwappt, hinweg zu täuschen versucht ! Ergo wird hier weniger ein Stück echter Kaffee- (Lebens-)Kultur erworben, sondern eher das Image und Prestige ganz wichtig zu sein, weil man ein Starbucks- Insider ist. „Starbucks- Kaffee- to- go“ ist für mich seither gleichzusetzen mit „Kultur to go“ – nach Fried Chicken Wings, Chicken McNuggets, Hamburger und Coca Cola Zero ein weiteres Stück USA, das die Welt nicht wirklich braucht, um sich weiter in die gleiche Richtung zu drehen.

Was die Recherchen bezüglich der verwendeten Inhaltsstoffe, insbesondere in den angebotenen Sirups anbelangt, würde ich es der Fairneß halber sehr begrüssen, zukünftig auf jeden Starbucks- Kaffee-to- go- Pappbecher gut sichtbar den Hinweis „ Zu Nebenwirkungen und Risiken fragen Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker“ anzubringen.


 
Kontakt zum Verfasser:
Jutta Lotz- Hentschel
Telefon: 06151-4296444





Weitere Meldungen aus Essen + Trinken:
Die meist gelesenen Meldungen aus Essen + Trinken: